Hypothermie-Forschungsregister
Medical Cooling · Site Agent translation · source v32 · vollständig nachgezogen 2. September 2026
Hypothermie-Forschungsregister
Diese deutsche Fassung bildet die inhaltlichen Aussagen, Evidenzgrenzen und Protokollentscheidungen der aktuellen englischen Quellversion ab. Die interaktiven Tabellen, Filter und das vollständige maschinenkuratierten Register bleiben zentral auf der englischen Quellseite, damit Datensätze, Studienstatus und Zahlen nicht zwischen Sprachen auseinanderlaufen.
Ein Korpus, unterschiedliche Evidenzstufen
Das Forschungsregister umfasst 33.808 Datensätze, darunter 32.462 deduplizierte PubMed-Einträge, 1.331 eindeutige ClinicalTrials.gov-Studien, 2.174 Einträge mit hoher Screening-Priorität und 60 manuell einbezogene und für Aussagen dokumentierte Quellen. Die Größe des Korpus ist kein Wirksamkeitsnachweis. Protokolle, Registereinträge, Hauptpublikationen, Follow-ups und Sekundäranalysen derselben Studie werden als Studienfamilien behandelt, damit Ergebnisse nicht mehrfach gezählt werden.
Evidenzleiter
Medical Cooling trennt sechs Aussagearten: Mechanismus, Machbarkeit, Sicherheitssignal, klinischen Nutzen, klinisches Validierungsziel und Designinformation. AIRCHILL hat bereits messbare mechanistische und präklinische Signale. Der nächste Entwicklungsschritt soll patientennahe thermische Leistung und Sicherheit reproduzierbar zeigen und anschließend die klinische Effektgröße in klar definierten Populationen prospektiv bestimmen. Externe Kühltechnologien liefern dafür wertvolles Designwissen, sind aber keine AIRCHILL-Validierung.
Thermische Dosis
Temperatur ist kein einzelner Sollwert, sondern ein kontrollierter Verlauf aus Tiefe, Beginn und Geschwindigkeit, Dauer, räumlicher Verteilung und Wiedererwärmung. Zwei Studien mit demselben Zielwert können deshalb biologisch sehr unterschiedliche Interventionen prüfen. Für AIRCHILL gehören reproduzierbarer Wärmeentzug, patientenseitige Gasparameter, Zielorgan- oder Surrogatmessung, stabile Beatmung, kontrolliertes Expositionsende und patientenrelevanter Vergleich in dieselbe Dosisbeschreibung.
Klinische Evidenz nach Indikation
- Herzstillstand: Protokollierte Temperaturkontrolle und Fieberprävention sind etabliert; ein universeller Vorteil von 33 °C gegenüber moderner kontrollierter Normothermie ist nicht belegt. Das macht Timing, Phänotyp und tatsächliche thermische Trennung zu zentralen AIRCHILL-Studienvariablen.
- Transnasale Intra-Arrest-Kühlung: PRINCE/PRINCESS und PRINCESS2 zeigen, dass sehr frühe präklinische bzw. präklinisch-klinische Kühlpfade operativ untersucht werden können. Die klinische Effektgröße bleibt Gegenstand prospektiver Prüfung.
- Neonatale HIE: Ganzkörperhypothermie ist in einer eng definierten Population etabliert. Das liefert einen biologischen Präzedenzfall, ersetzt aber kein eigenes pädiatrisches AIRCHILL-Programm.
- Ischämischer Schlaganfall: Kühlung ist experimentell; COTTIS/COTTIS-2, CHILL-ART und COOLHEAD-2b liefern Signale und Designwissen, aber noch keinen Standard für AIRCHILL.
- Schweres TBI: POLAR und Eurotherm3235 zeigen, dass frühe Kühlung oder ICP-Senkung allein keinen besseren funktionellen Outcome garantiert. Ein künftiges Programm muss Phänotyp, Route, Sicherheit und 6-Monats-GOSE zusammen planen.
- Hitzschlag: Rasche Kühlung ist klinisch zentral. Für frühe AIRCHILL-Feasibility sind Kühlrate und Zeit oberhalb gefährlicher Kerntemperaturen robustere erste Endpunkte als ein vorab behaupteter Überlebenseffekt.
Was frühere Studien konkret für das Protokoll lehren
PRINCESS erreichte <34 °C deutlich früher, war im primären neurologischen Endpunkt aber neutral. TTM und TTM2 zeigen, dass der Vergleich gegen moderne Temperaturkontrolle entscheidend ist. Kim et al. 2014 zeigt, dass schnellere Abkühlung über große Kaltflüssigkeitsmengen nicht automatisch klinischen Nutzen erzeugt und dass der Effekt der Kühlung von der Belastung der Applikationsmethode getrennt werden muss. HYPERION liefert ein positives, aber fragiles Signal bei niedrigen Ereignisraten; spätere Individualdaten begrenzen die Übertragbarkeit. COTTIS liefert ein auffälliges kleines, nicht randomisiertes Signal, das randomisiert bestätigt werden muss. POLAR und Eurotherm3235 verhindern, dass Surrogatverbesserungen oder frühe Kühlung automatisch als Patientennutzen interpretiert werden. Die gemeinsame Konsequenz lautet: Phänotyp, Timing, thermische Dosis, Rewarming, Sicherheit und patientenrelevanter Endpunkt müssen vor der konfirmatorischen Studie eingefroren werden.
Clinical-Development-Knowledge-Register
Jede entscheidungsrelevante Studie wird zusätzlich als wiederverwendbarer Protokoll-Entscheidungsdatensatz geführt: Population, Intervention, Vergleich, Beginn, Temperaturziel, Kühlrate, Dauer, Wiedererwärmung, patientenrelevanter Endpunkt, Effekt mit Unsicherheit, Sicherheit, Limitationen, Evidenzstatus, Übertragbarkeit auf AIRCHILL und die konkrete Protokollvariable, die daraus folgt. Eine neue Studie ist damit erst dann vollständig integriert, wenn sie eine überprüfbare Designentscheidung verändert oder bestätigt.
Kaltluft-Inhalationssicherheit
Die Kaltluftliteratur ist jetzt eine eigene Studienfamilie. Sie stützt keinen einzelnen biologischen Mindesttemperatur-Grenzwert. Entscheidend ist die Kombination aus Temperatur × absoluter Feuchte × Minutenventilation/Flow × Dauer × Wiederholung × individueller Atemwegsanfälligkeit. Kurze Humanexpositionen reichen in älteren Physiologiestudien bis etwa −35 bis −40 °C, sind aber kein Nachweis für prolonged route-specific tissue safety. Bei −15 °C und hoher Ventilation wurden epithelialer Stress und kleine Lungenfunktionsänderungen gemessen; längere Exposition um −23 °C kann inflammatorische Veränderungen zeigen.
Die produktnächste prolongierte Evidenz stammt aus dem AIRCHILL-Schweineprogramm bei ungefähr −20 °C über sechs Stunden. Daraus folgt die derzeitige Entwicklungsentscheidung: −20 °C bleibt der vorläufige untere Sollwert der ersten klinischen Generation; Humaneskalation soll wärmer beginnen, z. B. −10 → −15 → −20 °C, jeweils nach unabhängiger Sicherheitsfreigabe. −25 °C und kälter gehören zunächst zurück in präklinische Dosisfindung; −30 bis −40 °C bleiben Forschungsbereiche, bis prolongierte route-spezifische Atemwegs-, Epithel- und Mukoziliarsicherheit belegt ist.
Wintersport und kumulative Atemwegsdosis
Langlauf, Biathlon und weitere Wintersportarten sind kein direktes Modell für intubierte AIRCHILL-Anwendung, liefern aber ein natürliches Modell für wiederholte kalte, trockene Hochventilations-Exposition. Die Evidenz zeigt eine erhöhte Asthma-/EIB-Last in einzelnen Ausdauer-Wintersportpopulationen sowie neutrophile oder gemischte Entzündungsprofile. Heat-and-Moisture-Exchange kann Lungenfunktionsänderungen, Symptome und CC16-Anstieg reduzieren. Daraus folgen zusätzliche AIRCHILL-Variablen: kumulative Exposition, absolute Feuchte, Atemminutenvolumen, CC16/Epithelintegrität, Bronchokonstriktion, Mukoziliarerholung und inflammatorischer Phänotyp.
Therapeutische Gase
Das Gasprogramm wird als eigener Interventionsarm geführt, weil Gase pharmakologisch wirken, Gasdichte und Wärmeübertragung verändern oder eigene Sicherheits- und Geräterelevanz erzeugen können. Aktuelle Priorisierung: 1) Wasserstoff wegen des stärksten direkt randomisierten Humansignals bei niedriger Konzentration, 2) Helium als besonders AIRCHILL-relevante Wärmeübertragungs-/Carrier-Gas-Frage, 3) Argon als aktives translationales Edelgasprogramm, 4) Xenon als bester Humanpräzedenzfall für Gas+Kühlung mit Biomarker-Signal, aber höherer Kreislauf-/Kostenkomplexität, 5) inhalatives NO als überwachter sekundärer Kandidat. CO, N₂O und H₂S bleiben außerhalb des kurzfristigen klinischen Programms, solange keine deutlich stärkere Human-Sicherheits-/Wirksamkeitsevidenz vorliegt.
- HYBRID II / H₂: 73 randomisierte Post-OHCA-Patienten; primärer 90-Tage-CPC-Endpunkt statistisch nicht signifikant, sekundäre mRS- und Überlebenssignale positiv. Für AIRCHILL: zunächst Zünd-, Leck- und O₂-Anreicherungs-Engineering, dann ggf. faktorielles Design.
- CPAr / Argon: aktuelles Phase-II-Template mit Biomarker- und klinischen Sekundärendpunkten. Biomarker und Patientennutzen müssen getrennt bleiben.
- Xenon + Hypothermie: randomisierte Humanstudie mit weniger MRT-White-Matter-Injury, aber ohne statistisch signifikanten 6-Monats-Neurologieeffekt. Wichtiges Vorbild für Kombination und Biomarkerarchitektur.
- Helium: Schweinemodell 2025 mit höherer Kühlleistung. Nächster AIRCHILL-Schritt ist ein kontrollierter Carrier-Gas-Vergleich bei gleicher FiO₂, Flow, Druck und Eingangstemperatur.
Sicherheit ist Teil der Intervention
Arrhythmien, Kreislauf, Gerinnung, Infektion, Elektrolyte, Pharmakokinetik, Shivering, Sedierung und Wiedererwärmung können die Nutzen-Risiko-Bilanz verschieben. Für AIRCHILL kommen Schleimhaut, Sekrete, Kondensation, Widerstand, Druck, Gaswechsel und Lungengewebe hinzu. Patientennutzen kann deshalb nie aus Temperaturänderung allein abgeleitet werden.
Studienfamilien statt Doppelzählung
TOBY, TTM/TTM2, PRINCE/PRINCESS/PRINCESS2, ICECAP, Eurotherm3235, COTTIS/ COTTIS-2, CHILL-ART und AIRCHILL werden als Entwicklungsfamilien betrachtet. Protokoll, Registereintrag, Primärbericht, Follow-up und Sekundäranalyse werden nicht als unabhängige Studienpopulationen addiert.
Was das für AIRCHILL bedeutet
Die Entwicklungsthese bleibt spezifisch und testbar: AIRCHILL hat bereits rasche lokale Temperaturänderung, präklinische Atemwegstoleranz und frühen Wirkungseintritt gezeigt; externe Tier- und Humanstudien zeigen, dass Zeitpunkt, Tiefe, Dauer, Route und Population die Wirkung wesentlich verändern können. Das nächste Programm soll die produktbezogene thermische Leistung reproduzieren und stärken, Patientensicherheit belegen und danach prüfen, ob die sehr frühe kontrollierte Exposition patientenrelevante Ergebnisse in ausgewählten Indikationen verbessert. Die klinische Effektgröße wird prospektiv gemessen und nicht aus externen Kühltechnologien übernommen.
OEM- und Plattformregel
Reife Funktionen wie EKG/Monitoring, Defibrillation, Absaugung und Konnektivität können als qualifizierte OEM-Technologien integriert werden. Deren Zertifizierung validiert nicht automatisch das AIRCHILL-Gesamtsystem. Lieferant, Version, Schnittstellen, Alarme, Software-/Datenabhängigkeiten, EMC/elektrische Interaktionen, Cybersecurity, Usability und systemweite Essential Performance bleiben Teil der AIRCHILL-Evidenz.
Interpretations- und Quellenregel
Neutrale randomisierte Studien werden nicht durch günstige Post-hoc-Subgruppen „gerettet“. Post-hoc-Signale dürfen prospektive Anreicherung begründen, sind aber kein konfirmatorischer Effekt. Registerstatus beweist Planung, nicht Wirksamkeit. Externe Studien liefern Designwissen und Effektbandbreiten, keine AIRCHILL-Effektannahme.
Vollständige interaktive englische Quellseite öffnen → · Deutschen Studienplaner öffnen → · Quellen & Annahmen →
Geplante AIRCHILL-Atemwegsstudien · Sponsor-Planungsrecords
Status: interne bzw. öffentliche Sponsor-Planungsrecords, keine rekrutierenden Studien und keine ClinicalTrials.gov-, CTIS- oder DRKS-Registrierungen. COLD-DOSE ist als randomisiertes Within-Participant-Crossover zur Temperatur × Feuchte × Ventilation × Dauer geplant; 24–36 Teilnehmende sind eine ASSUMPTION und die Pilotvarianz soll die finale Fallzahl bestimmen. AIRCHILL-FIRST ist als produktbezogene, stufenweise intubierte Early-Feasibility-/Safety-Studie geplant; 6–10 Personen je Dosisstufe plus 20–40 Personen Expansion bleiben ASSUMPTION.
Protokolle: COLD-DOSE · AIRCHILL-FIRST. Erst nach Annahme durch ein externes Register werden Kennung, Sponsor, Rekrutierungsstatus, Länder/Sites, First-Enrolment-Datum sowie finale Outcome- und Protokoll-/SAP-Version ergänzt.
Aktualisierung · 4. September 2026
VENT-SIM (NCT07352709): Die randomisierte EMS-Crossover-Simulation macht Beatmungsqualität zu einem Human-Factors-Benchmark. AIRCHILL soll Inspirations-/Exspirationsvolumen und Beatmungsrate erfassen und nachweisen, dass Kühlungssteuerung und Feedback die CPR-Beatmung nicht verschlechtern.
CO₂ Modulation in EVT (NCT05051397): Die laufende Phase-2-Studie zeigt, dass PaCO₂/EtCO₂ während mechanisch beatmeter Thrombektomie eine relevante Ko-Intervention ist. AIRCHILL-STROKE soll Zielbereiche und Abweichungen prospektiv festlegen.
CHILL-AP (NCT07698119 / K250632): Das geplante pivotal randomisierte Programm mit regionaler Kühlung liefert einen aktuellen Plattform-/Regulierungsbenchmark. Plattformleistung und krankheitsspezifischer Outcome-Claim müssen getrennt validiert werden; daraus folgt keine Predicate-, FTO- oder Zulassungsäquivalenz für AIRCHILL.
Aktueller Atemwegsplan: Geplant sind COLD-DOSE und AIRCHILL-FIRST. Wintersport-Atemwegsdaten bleiben Hintergrund- und Mechanismus-Evidenz, sind aber kein eigenes AIRCHILL-Studienprogramm.