# AIRCHILL – Statistischer Analyseplan (SAP)

> Vollständige deutsche Arbeitsübersetzung des gemeinsamen statistischen Analyseplans v0.1 für AIRCHILL-CA und AIRCHILL-STROKE.

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- Last modified: 2026-11-02T21:25:08+00:00

Statistik · Entwicklungsentwurf v0.1

# AIRCHILL – Statistischer Analyseplan (SAP)

Dieser gemeinsame SAP-Rahmen definiert übergreifende Grundsätze und indikationsspezifische Primäranalysen. Er muss vor dem Datenbankschluss finalisiert und unterzeichnet werden; bei konfirmatorischen Prüfungen hat dies außerdem vor jeglichem Zugriff des Sponsors auf unverblindete Vergleichsergebnisse zu geschehen.

## 1. Analysepopulationen

- ITT (Intention to Treat): Alle randomisierten Teilnehmenden werden entsprechend ihrer Zuteilung analysiert; primäre Population für die Wirksamkeitsanalyse.
- Sicherheit: Für die gerätebezogene Sicherheit wird nach tatsächlicher AIRCHILL-Exposition analysiert; Sicherheitszusammenfassungen nach ITT bleiben parallel erhalten.
- Per Protocol: Vorab definierte Teilpopulation ohne wesentliche Protokollabweichungen, ausschließlich unterstützend.
- Thermische Expositionspopulation: Teilnehmende mit auswertbarer Gerätetelemetrie für mechanistische Dosis-Wirkungs-Analysen.

## 2. Primäre Estimands

Herzstillstand: Treatment-Policy-Effekt der Zuteilung zur frühen AIRCHILL-Strategie auf den verbindlich festgelegten neurologischen 90-Tage-Endpunkt. Tod wird gemäß Endpunktdefinition berücksichtigt; Crossover und Behandlungsunterbrechungen verbleiben in der Analyse nach Zuteilung.

Schlaganfall: Treatment-Policy-Effekt auf die ordinale modifizierte Rankin-Skala (mRS) nach 90 Tagen; Tod entspricht weiterhin mRS 6. Crossover und unvollständige Exposition werden nach Zuteilung behandelt.

## 3. Primäre Modelle

CA: Wird ein dichotomer günstiger Endpunkt konfirmatorisch verwendet, erfolgt eine adjustierte binomiale bzw. logistische Modellierung mit Angabe absoluter Risikodifferenz, Risikoverhältnis/Odds Ratio und 95-%-Konfidenzintervallen. Die vollständige ordinale mRS bleibt eine wichtige unterstützende Analyse.

STROKE: Ordinale logistische Regression mit proportionalen Odds; Angabe der adjustierten gemeinsamen Odds Ratio und ihres 95-%-Konfidenzintervalls. Die Proportional-Odds-Annahme wird formell geprüft; bei wesentlicher Verletzung greift eine vorab festgelegte robuste Alternative.

Die PaCO₂-/EtCO₂-Exposition während der endovaskulären Thrombektomie (EVT) wird als vorab festgelegte Begleitintervention bzw. Sensitivitätsvariable behandelt und nicht unbemerkt im Behandlungseffekt subsumiert, da eine kontrollierte CO₂-Modulation während der Thrombektomie selbst Gegenstand prospektiver Forschung ist (NCT05051397; Registeraktualisierung am 3. September 2026).

## 4. Kovariatenadjustierung

Verwendet wird eine kleine, vorab festgelegte Gruppe starker prognostischer Ausgangsfaktoren. Kandidaten für CA: Alter, initialer Rhythmus, beobachteter Herzstillstand, Laienreanimation, Zeit bis zur Wiederherstellung eines Spontankreislaufs (ROSC). Für STROKE: Alter, NIHSS-Ausgangswert, ASPECTS bzw. Ausmaß des Infarktkerns, Zeit vom Symptombeginn/letztmalig bekannten Wohlbefinden bis zur Randomisierung. Postrandomisierte Mediatoren sollen im Primärmodell nicht adjustiert werden.

## 5. Multiples Testen

Jede Pivotalstudie erhält genau einen primären Endpunkt. Wesentliche sekundäre Endpunkte werden für beabsichtigte konfirmatorische Aussagen in eine hierarchische Gatekeeping-Reihenfolge gebracht. Bildgebung, Biomarker, Dosis-Wirkungs-Analysen und die meisten Subgruppenanalysen bleiben unterstützend bzw. explorativ, soweit sie nicht prospektiv zu konfirmatorischen Endpunkten erhoben werden.

## 6. Fehlende Daten

Vorrang hat die organisatorische Vermeidung: zentrale Nachverfolgung, mehrere Kontaktwege, verblindete Endpunktbeurteilung und Nutzung von Routinedokumentation. Die Analyse fehlender Daten umfasst multiple Imputation unter plausiblen MAR-Annahmen (Missing at Random) sowie vorab definierte Tipping-Point- und realistische Worst-Case-Sensitivitätsanalysen. Tod ist ein Endpunkt und kein gewöhnlicher fehlender Datenwert.

## 7. Interkurrente Ereignisse

Geräteunterbrechungen, Crossover, rettende Temperaturtherapie, Widerruf der Einwilligung, Beendigung lebenserhaltender Maßnahmen (WLST) und Protokollabweichungen werden ausdrücklich klassifiziert. Der primäre Treatment-Policy-Estimand behält solche Ereignisse grundsätzlich bei. Hypothetische oder Principal-Stratum-Analysen werden, sofern eingesetzt, als unterstützend gekennzeichnet.

## 8. Zwischenanalyse

Das Basisdesign sieht eine formelle konfirmatorische Interimsanalyse bei ungefähr 50 % der Information vor. Ein gruppensequenzieller Alpha-Spending-Ansatz erhält das gesamte Typ-I-Fehlerniveau. Die Futility-Grenze ist unverbindlich. Exakte Spending-Funktion und Entscheidungsgrenzen werden vor der ersten unverblindeten DSMB-Prüfung berechnet und festgelegt.

## 9. Neuschätzung der Fallzahl

Verblindete Aktualisierungen von Störparametern dürfen gepoolte Kontroll-/Ereignisverteilungen, die mRS-Verteilung oder Fehlwerte verwenden, sofern dies vorab vorgesehen ist. Jede unverblindete, am beobachteten Behandlungseffekt orientierte Anpassung benötigt eine vollständig definierte adaptive Methode, die den Typ-I-Fehler kontrolliert.

## 10. Subgruppen

Die Interpretation beruht auf Interaktionstests, nicht auf p-Werten innerhalb einzelner Untergruppen. Vorab definierte Kandidaten sind Zeitpunkt des Behandlungsbeginns, erreichte thermische Exposition, Alter, Geschlecht und Ausgangstemperatur. Für CA zusätzlich initialer Rhythmus und Zeit bis ROSC; für STROKE zusätzlich Ausgangskern/ASPECTS, Reperfusionsstatus und – soweit vorhanden – Kollateralgrad. Befunde gelten als unterstützend, sofern keine gesonderte ausreichende Teststärke vorliegt.

## 11. Sicherheitsanalysen

Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse (AE/SAE), schwerwiegende unerwünschte gerätebezogene Wirkungen, Gerätemängel, Beatmungsprobleme, Arrhythmien und hämodynamische Ereignisse, Pneumonien und Todesfälle werden zusammengefasst; bei Bedarf expositionsadjustiert. STROKE ergänzt symptomatische intrakranielle Blutungen (sICH) und behandlungsbedingte Verzögerungen der Reperfusion.

## 12. Sensitivitätsanalysen

- Unadjustiertes gegenüber adjustiertem Primärmodell.
- Unterstützende Per-Protocol- und As-Treated-Analysen.
- Alternative Annahmen über fehlende Daten.
- Analysen mit Zentrums- bzw. zufälligen Effekten, wenn relevante Heterogenität zwischen Studienzentren besteht.
- Bei CA: Sensitivität auf ordinalem neurologischem Endpunkt.
- Bei STROKE: generalisierte Odds- oder Win-/Nutzen-gewichtete Sensitivitätsanalyse, falls proportionale Odds nicht vertretbar sind.

## 13. Berichterstattung

Effektschätzungen mit Konfidenzintervallen haben Vorrang vor isolierten p-Werten. Sämtliche Abweichungen vom unterzeichneten SAP werden datiert, begründet und berichtet. Der Statistikcode wird versionsverwaltet und für die Primäranalyse unabhängig validiert.

[← Klinisches Studienpaket (englische Referenz)](https://www.medicalcooling.com/airchill-clinical-investigation-package/)

Deutsche Arbeitsübersetzung der [englischen Originalfassung](https://www.medicalcooling.com/airchill-statistical-analysis-plan/). Versionsstand, Studienplanung und vorläufige Grenzen entsprechen der Quellfassung. Das Dokument ist keine genehmigte klinische Studienunterlage. Fachliche und regulatorische Endprüfung durch den Studiensponsor steht aus.
